Deutsche Ländermeisterschaft 2018 in Würzburg

Jedes Jahr zelebriert die Deutsche Schachjugend den Tag der Deutschen Einheit, indem sie Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet einlädt, an der Deutschen Ländermeisterschaft teilzunehmen.

Dieses Jahr findet das Turnier in Würzburg statt, 16 der im Schach kurioserweise 17 Bundesländer sind mit von der Partie. Nachfolgend ein paar Impressionen aus Würzburg:

Links: Turnierseite mit Ergebnissen und Paarungen

Liveübertragung bei chess24

02.10.

Gespielt wird in 8er-Mannschaften, darunter mindestens drei Mädchen pro Team.

Weil Bremen unter einem akuten, beinahe schon chronischen Mädchenmangel leidet, spielen wir in diesem Jahr in Spielgemeinschaft mit der Niedersächsischen Schachjugend, die uns dankenswerterweise in dieser prekären Lage mit einigen ihrer Spielerinnen aushilft. Beide Verbände stellen vier Teilnehmer, die wir im Folgenden kurz vorstellen möchten.

Wer unsere prunkvoll und vor Medienvertretern aus aller Welt inszenierte Kaderbekanntgabe leichtsinnigerweise verpasst haben sollte, sei hier auf den aktuellen Stand gebracht, mit welchem Team wir die Reise nach Franken antreten werden.

Da wäre Kevin Silber, Delmenhorster SK, mit über 2200 Punkten unser Elo-Schwergewicht an Brett 1. In diesem Jahr glänzte Kevin mit 4 aus 6 beim Bremer Vergleichskampf „Meister gegen Talente“.

An Brett 2 Oliver Steffens, ebenfalls aus der Jugendbundesligamannschaft des Delmenhorster SK.

Dahinter Sören Evering vom SC Papenburg, anno 2015 Teilnehmer an der U10-Weltmeisterschaft. Er empfahl sich unlängst mit dem Gruppensieg beim Hans-Wild-Turnier in Bremen.

Madita Mönster vom SK Wildeshausen, ebenfalls bereits mit internationaler Erfahrung, nahm 2012 an der U10-Europameisterschaft teil, 2016 startete sie in der Altersklasse U14. Für den Titel reichte es bislang noch nicht, vielleicht kommt der ja im dritten Anlauf.

Auch unser Brett 5 Timo Block wurde noch nie Europameisterin, führte aber sein Team von den Schachfreunden Bremer Osten bei den diesjährigen Norddeutschen Vereinsmeisterschaften in Magdeburg auf einen sensationellen 7. Rang.

An Brett 6 wird Anais Abele vom SC Aurich antreten. Auch sie hat bereits diverse Norddeutsche und Deutsche Meisterschaften bestritten

Max Weidenhöfer vom TuS Varrel bekleidet Brett 7. Max ist amtierender Bremer U12-Meister. Entweder das brachte ihm die Nominierung für das U12-Brett ein oder die Tatsache, dass er in meinem Verein spielt und ich sein Trainer bin.

Völlig unzusammenhängend, erwähnte ich schon, dass mir vor einigen Jahren mal der Rat gegeben wurde, im Internet auf Ironie zu verzichten?

An Brett 8 schließlich setzen wir auf Bente Zöllner vom Stader SV. Amtierende Niedersächsische Blitz-Meisterin. Nicht bei den Mädchen, sondern bei den Damen!

Ich bin Dennis. Dreimaliger Schulschachmeister der KGS Kirchweyhe. Auf geht‘s nach Würzburg!

Dienstagabend

Die Anreise glückte ohne Zwischenfälle. Mittlerweile haben wir unsere Zimmer in der Jugendherberge bezogen und auch bereits das Abendessen zu uns genommen. Nun heißt es: Warten auf die Auslosung!

Ihr seht, das Team hat jede Menge Erfahrung. Die Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften lassen sich nicht mehr an zwei Händen abzählen, zumal ich meine ja auch gerade brauche, um diese Zeilen zu tippen. Alle sind motiviert und haben Lust auf Schach. So soll es sein.

Timo, Max und Bente nehmen übrigens – genau wie ich – das erste Mal an einer Ländermeisterschaft teil. Da das Turnier aber das erste Mal in Würzburg stattfindet, ist es für alle ein bisschen Neuland. Auch für die Veranstalter von der Bayerischen Schachjugend, denen wir gutes Gelingen wünschen.

Was wird Team Bremen/Niedersachsen erwarten? Das Ziel kann ja eigentlich nur lauten, Deutscher Meister zu werden. Warum sollte man sonst am Turnier teilnehmen? Da wir uns auf Position 16 der Setzliste (von 20) wiederfinden, ist das allerdings recht ambitioniert gedacht. Wenn wir alle mit DWZ- und Elo-Plus nach Hause fahren, war das Turnier sicher trotzdem ein Erfolg.

Die Auslosung ist mittlerweile veröffentlicht.

Unser Erstrundengegner ist das Team aus Schleswig-Holstein. Schon mal gut, deren Anreise war weiter als unsere, die müssten doch eigentlich eher müde sein. Befinden sich übrigens im Zimmer gleich nebenan, also Vorbereitung lieber nur im Flüsterton! Nicht dass man Geheimnisse verrät...

Was ist unser Ziel für morgen? Nun, ein 8:0 ist vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen, setzt die Spieler nur unnötig unter Druck. Lassen wir uns also einfach überraschen, was der morgige Tag so bringt. Schleswig-Holstein ist an Position 4 gesetzt und schielt vermutlich ein wenig auf das Treppchen. Der Druck liegt also beim Gegner.

Wir werden morgen auch in der Liveübertragung sein. Also an alle Fans zu Hause: Früh aufstehen, Rechner anschmeißen und beim Frühstück genüsslich die Partien der Bremer und Niedersächsischen Spieler verfolgen. Die werden mit 15min Verzögerung übertragen, also ab 8.45 Uhr. Auf der og. genannten Seite der Deutschen Schachjugend oder auf chess24.

Mittwoch 03.10.

Da ihr in den kommenden Tagen noch des öfteren von mir hören bzw. lesen werdet, darf ich mich kurz vorstellen: Meine schachlichen Fähigkeiten sind weniger erwähnenswert, ich wurde als Teammanager in erster Linie auf Grund meiner Verfügbarkeit ausgewählt. In diesem Sinne werde ich mich nun also mit fremden Federn, sprich: den Erfolgen unserer Jugendlichen schmücken. Die sind zwar nicht wirklich mein Verdienst, aber immerhin: Wen ich nicht nominiert hätte, der hätte auch nicht punkten können. Gleichzeitig bin ich ja auch derjenige, der im unwahrscheinlichen Fall, dass wir ohne Titel nach Hause zurückkehren sollten, demütig vor die Mikrofone treten und seinen Rücktritt erklären muss.

1. Runde

Bente und Max erwischten einen guten Start ins Turnier

Es ist ja der Tag der Deutschen Einheit, da erwartet man eigentlich so etwas wie Brüderlichkeit, Nächstenliebe, Eintracht. Dieses Memo scheinen die Schleswig-Holsteiner wohl nicht erhalten zu haben, unser heutiger Gegner, nein, besser: Spielpartner. An einem Tag wie heute sollte es keine Gegner geben.

Wir für unseren Teil wären jedenfalls bereit gewesen, die antizipierten acht Remisgebote zu akzeptieren. Entsprechend hatte ich unsere Spieler beim Frühstück gebrieft. Es gab aber keine Angebote, keine Geschenke, stattdessen eine 2:6-Niederlage.

Sehr erfreulich der Sieg von Max, der als ein einziger voll punkten konnte. Bente kämpfte mit zwei Bauern weniger im Turmendspiel klasse weiter und erreichte tatsächlich ein zwischenzeitlich kaum mehr für möglich gehaltenes Remis. Nur Timo, der aus seinem eigentlich kaum parierbaren Mattangriff immerhin ein Endspiel mit drei Mehrbauern machte, dürfte mit seiner schlussendlichen Punkteteilung nicht ganz zufrieden sein. Ansonsten war Schleswig-Holstein der erwartet schwere Gegner, kein Problem, das Turnier ist noch lang.

Nun schnell Mittagessen, am Nachmittag steht bereits die nächste Runde an.

2. Runde

Unser Gegner in der 2. Runde ist das Saarland.

Warten auf den Partiebeginn: Unsere Delmenhorster Doppelspitze Kevin und Oliver fuhr zwei volle Zähler ein.

In diesem Match waren wir der Favorit und wollten entsprechend den ersten Sieg einfahren.

Es ist schon bewundernswert: Die Truppe aus dem Saarland war bei den letzten drei Teilnahmen jeweils auf dem letzten Platz gelandet, lässt sich davon aber nicht unterkriegen und reist auch in diesem Jahr wieder an. Man muss ehrlich sein: Ein reines Team Bremen würde sich u.U. auf Augenhöhe bewegen, nur durch unsere Verstärkungen aus Niedersachsen sind wir im DWZ-Schnitt höher einzuschätzen. Ein bisschen tut einem das Saarland also schon Leid, all die Teams aus der unteren Hälfte der Setzliste stürzen sich natürlich auf diesen Gegner und wollen dort unbedingt etwas reißen. Eine wahrhaft animalische Grausamkeit, doch auch wir sehnen uns nach dem ersten Punktgewinn im Turnier.

Es wurde dann ein niemals gefährdeter Sieg.

Kevin und Bente ließen ihren jeweils etwa 500 Punkte schwächeren Gegnern von Beginn an nicht den Hauch einer Chance. Madita hatte mit Schwarz gegen den saarländischen U12-Spieler nur etwa 70 Punkte Vorteil. Auf dem Papier die engste Paarung, doch auf dem Brett gewann Madita mit einer starken Vorstellung souverän. Timo und Oliver hatten länger zu kämpfen, konnten aber beide mit reduziertem Material noch einen erfolgreichen Mattangriff starten. Den Schlusspunkt setzte Anais, die ihre beiden Mehrbauern im Turmendspiel gekonnt verwertete. Die beiden Niederlagen von Sören und Max waren somit zu verschmerzen, Endstand 6:2 für uns: Der erste Sieg!

Auch Anais und Timo waren gegen das Saarland siegreich.

Weitere Siege dürfen gerne folgen, z.B. morgen früh gegen Berlin. Dann wieder mit Liveübertragung.

Mittwochabend

Einen wunderschönen guten Abend! Ich begrüße die daheimgebliebene Leserschaft in meiner bekannt ausschweifenden Art.

Werfen wir einen Blick über den Tellerrand, genauer: Aus dem schönen Bayern zurück in den hohen Norden. Unser derzeit vielleicht stärkster Bremer Spieler kann leider nicht bei der Deutschen Ländermeisterschaft mitspielen, hat dafür aber eine sehr gute Entschuldigung parat: Nikolas Wachinger nimmt derzeit an einem IM-Turnier in Hamburg teil, sportlich eine große Herausforderung und eine tolle Vorbereitung auf die in Kürze beginnende Weltmeisterschaft.

Nach fünf von neun Runden im Rennen um die begehrte IM-Norm liegt Nikolas mit 2 Punkten in Lauerstellung. Nun kommen überwiegend die Gegner aus der unteren Tabellenhälfte, da benötigt er einen super Schlussspurt. Wir drücken aus der Ferne die Daumen!

 

Wissenswertes über Würzburg

Zugegeben, hätte ich diesen Absatz aus dem Gedächtnis formuliert, wäre er vermutlich arg kurz geraten. Zum Glück habe ich für euch, liebe Leser, intensivst recherchiert. (Dieses Adjektiv scheint man in der Tat steigern zu können, die Rechtschreib- und Grammatikprüfung auf meinem Rechner moniert das jedenfalls nicht. Und die ist ansonsten überaus pingelig, sowohl Madita als auch Mönster bemängelt sie andauernd. Da, schon wieder! Als hätte ich mir die Wörter ausgedacht...)

Also, was muss man über Würzburg wissen?

 

Durch Würzburg fließt der Main. Der sieht so aus. Im Hintergrund die Weinberge als Metapher dafür, dass eine Deutsche Meisterschaft ein knallhartes Geschäft ist.

Wasser oder Wein, Triumph oder Tränen, was hält die DLM für Team Bremen/Niedersachsen bereit?

-   Würzburg liegt in Franken, das ist zwar irgendwie ein Teil Bayerns, aber im Prinzip nicht so richtig. Das Verhältnis ist vielleicht eher so wie zwischen Spanien und Katalonien. Man gehört irgendwie dazu, mag aber den König nicht besonders. Oder den Fußballklub aus der Hauptstadt.

 

- Ausrichter des Turniers ist nichtsdestotrotz die Bayerische Schachjugend; als Schirmherr der Veranstaltung fungiert der amtierende Bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Der ließ sich zwar heute entschuldigen und schickte einen Vertreter – immerhin läuft in Bayern gerade der Wahlkampf auf Hochtouren – jedoch wurde das persönliche Erscheinen Herrn Söders für das kommende Jahr bereits angekündigt. Seine Wiederwahl scheint also bereits festzustehen. Nun ja, jedem das seinige Demokratieverständnis.

 

- Würzburg ist Universitätsstadt, etwa 30% der Bevölkerung machen die sog. Studierenden aus. Zur Erklärung für die älteren Leser: Das sind Personen, die man früher Studenten genannt hätte, bis man herausfand, dass diese Bezeichnung vermutlich irgendjemanden diskriminiert. Oder irgendjemande.

 

Eine namensgebende Burg habe ich noch nicht entdecken können, dafür aber das hier:

Das ist die Festung Marienberg. Sie liegt genau oberhalb unserer Unterkunft auf dem gleichnamigen Berg.

- Würzburg liegt im Durchschnitt etwa 200m über dem Meeresspiegel. Hier mal ein bisschen mehr, dort mal ein bisschen weniger. Wir befinden uns momentan in der Jugendherberge übrigens am Hang des Marienbergs. Da wird für uns Norddeutsche die Luft schon ziemlich dünn, was sich zum Glück noch nicht so richtig in unserem momentanen Tabellenplatz widerspiegelt. Ich hatte leider im heimischen Bremen keine geeigneten Örtlichkeiten auftreiben können, um die hiesigen Spielbedingungen akkurat zu simulieren. Und für ein vorbereitendes Höhentrainingslager in einem nepalesischen Kloster fehlt der Bremer Schachjugend angeblich das Geld. Na ja. Falls zufällig ein potenzieller und vor allem potenter Sponsor mitliest, darf er gerne Kontakt aufnehmen.

 

- Gleich zweimal in den vergangenen vier Jahren gelang es den Fußballern des SV Werder Bremen, in Würzburg für eine Überraschung zu sorgen und die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals zu überstehen. Das passierte andernorts bekanntlich eher selten. Leider haben wir in diesem Jahr keine Aktiven aus der Schachabteilung des SV Werder mit dabei, die sich an dieser Stätte des Triumphs für ihre kommenden Schachpartien inspirieren lassen könnten.

 

So, haben wir alle was gelernt, zurück zum Schachgeschehen.

04.10.

3. Runde

Die Stimmung im Team ist gut. Die ersten beiden Mannschaftspunkte sind im Sack, sieben Spieler konnten bereits punkten – für die Moral ist das ein wahrer Segen. Es hätte auch – eine andere Auslosung angenommen – ganz anders laufen können.

So können wir denn also frohen Mutes das Duell mit dem größten aller Stadtstaaten aufnehmen.

Die Favoritenrolle war wieder einmal klar verteilt. Wir waren an den Brettern 1 bis 7 Außenseiter und an Brett 8 Favorit. Also Matchplan: Knapper Sieg ist auch okay.

Endlich gibt es mal eine Sitzordnung, bei der ich beinahe das gesamte Team auf ein Bild bekommen kann.

Leider kommt Sören noch nicht so recht ins Turnier. Nach einem Einsteller in der Eröffnung setzte es die dritte Niederlage.

Bente machte, was sie machen soll, und fuhr abermals den vollen Punkt ein – wenn auch nicht gänzlich ohne zwischenzeitliche Zittermomente.

Einige schwierige Endspiele waren nicht zu halten, doch Max und Madita brachten uns mit ihren Siegen bis auf 3:4 heran. Alles hing nun an der letzten Partie von Oliver, der im Turmendspiel zwei Mehrbauern besaß. Der aktive gegnerische König, während der eigne auf der Grundreihe abgeschnitten war, sowie die unbarmherzig fortschreitende Bedenkzeit machten es Oli aber letztlich unmöglich, aus den Bauern Kapital zu schlagen, und er musste nach langem Kampf ins Remis einwilligen. Wie schon Timo in Runde 1 sorgten wir wieder für die längste Partie des Tages. Ein 3,5:4,5 klingt natürlich immer ärgerlich, ist es auch. Jedoch haben wir uns gegen den Favoriten Berlin gut verkauft und dürfen frohen Mutes den nächsten Runden entgegenblicken.

Morgen früh geht es übrigens gegen das Team Bayern 2.

In der Setzliste, anders als im geographischen oder kulturellen Sinne, sind das unsere Nachbarn. Erwartet also ein offenes Match, wieder einmal am Livebrett.

 

Unsere Unterkunft, die Würzburger Jugendherberge, in überaus hübscher Lage. Und mit eigenem Tunnel.

Wissenswertes über Berlin

- Berlin ist mit 10 Spielern angereist. Das sind zweieinhalb mal so viele wie Bremen, was ja auch die Bevölkerungsverhältnisse recht ordentlich abbildet.

- Jedoch weniger als Niedersachsen. Auf alle Fälle erschwerte es die Vorbereitung auf die heutige Runde recht deutlich, da wir leider keinen Spion einschleusen konnten, um herauszufinden, welche beiden Spieler aussetzen würden.

 

- Berlin ist im U12-Bereich sensationell stark. Allein drei Berliner Spieler finden sich unter den Top 10 Deutschlands. Übrigens spielen die drei allesamt für unterschiedliche Vereine. So sieht gesunder Konkurrenzkampf aus.

Zwar sind diese drei Spieler allesamt nicht in Würzburg vor Ort, dennoch schafft es der Berliner Verband, noch immer einen U12-Spieler mit einer höheren DWZ aufzustellen als wir. Schon beeindruckend. Zumindest am heutigen Tage jedoch war er Max nicht gewachsen.

 

- Das Wappentier Berlins ist der Schwarze Bär. Das Wappentier Bremens ist der Pleitegeier.

Daher rührt vermutlich auch der Running Gag: Die Bremer Schachjugend hat kein Geld.

Und keinen Kassenwart, könnte man hinzufügen, aber das ist ein ernstes Thema und sollte im Rahmen dieser Satire unerwähnt bleiben.

 

- Warum eigentlich kam es zu dem Modell der Spielgemeinschaft, werde ich bisweilen gefragt. Nun, der Grund ist ganz einfach: In Bremen gibt es keine Mädchen. C‘est ça!

Demzufolge blieb keine andere Wahl als entweder die drei Mädchenbretter unbesetzt zu lassen oder aber den Nachbarn um Hilfe zu bitten. Niedersachsen leistete diese gerne.

Wenn sich jemand in anderen Teilen der Republik als Berliner outet, wird er ja fast zwangsläufig mit Flughafengags konfrontiert. Von solchen vorhersehbaren, billigen Versuchen nehmen wir selbstverständlich Abstand.

Auf alle Fälle war es in diesem Jahr noch so, dass Bremen mehr Mädchen zur Deutschen Einzelmeisterschaft entsandt hat (nämlich drei) als Berlin betriebsbereite Flughäfen hat (nämlich zwei). Und das trotz fünf uns zur Verfügung stehender Qualifikationsplätze bzw. trotz diverser Fantastilliarden an bereitgestellten Steuergeldern.

Dieses Verhältnis könnte sich, was wir nicht hoffen wollen, auf die eine oder andere Weise durchaus noch zu unseren Ungunsten verändern.

Beide Parteien sollten auf alle Fälle bestrebt sein, diese erschreckenden Zahlen in möglichst naher Zukunft zu steigern.

 Das ist die Jugendherberge von vorne, im September 2018 nach Renovierung neu eröffnet und bereits frisch graffitiert (das Wort gibt es offenbar auch nicht).

Ferner könnte der vorbeipendelnde oder -radelnde Betrachter auf den Gedanken kommen, die Deutsche Schachjugend mache einen eher schlaffen Eindruck.

Zumindest das Banner hätte man sicher noch ein wenig straffen können, ansonsten habe ich an der Organisation aber nichts auszusetzen.

 

Donnerstagnachmittag

Heute Nachmittag war keine Runde angesetzt, also Gelegenheit für ein wenig Freizeitprogramm. Der traditionelle Schwimmbadbesuch stand diesmal nicht zur Debatte, da ich im Vorfeld nicht darauf hingewiesen und so kaum jemand Schwimmsachen eingepackt hatte.

So gab es also die Wahl zwischen zwei Varianten: daheim auf dem Zimmer zu bleiben und sich vorzugsweise mit Geräten, die einen Bildschirm besitzen, zu vergnügen, oder aber mich auf meinem Weg in die Stadt zu begleiten. Zur Erholung nach drei anstrengenden Runden gab es also erstmal einen kurzen Spaziergang am Main, ein Eis im nahegelegenen Café sowie eine, nennen wir sie mal „Kirchen- und Ampeltour“ durch die Würzburger Innenstadt. Das beschreibt ganz gut, was es dort zu sehen gab, und weshalb wir kaum mehr als 100 Meter am Stück zurücklegen konnten.

 

Die Mainpromenade lädt erstaunlicherweise auch an einem Oktoberabend noch zum Flanieren und zum Verweilen ein.

Das Ganze mit ein bisschen buntem Indian-Summer-Flair.

Dann galt es, nach dem gestrigen Feiertag unsere Vorräte an Getränken (sehr wichtig während eines langen Turniers) und Süßigkeiten (noch wichtiger) wieder aufzufüllen.

Ansonsten nutzten wir die Zeit für eine ausgiebige Vorbereitung auf den morgigen Gegner. Bayern kann kommen! Beziehungsweise ist ja schon da, die wohnen ja hier.

Matchplan ist wieder klar: Da wir gegen den Gastgeber spielen, wäre ein 8:0 wohl unhöflich, also knobeln wir noch, wer das Anstandsremis abgeben muss...

 

 

In Würzburg gibt es so genannte Fledermaus-Hotspots.

Unter anderem rund um die oben bereits abgebildete Festung Marienberg sollen sich die Säuger nur so tummeln.

 

In einem freien Moment habe ich mich also dorthin auf den Lehrpfad begeben, in der vagen Hoffnung, einen Blick auf die angepriesene

Mopsfledermaus oder gar das Große Mausohr erhaschen zu können – leider bislang ohne Erfolg.

Ich bleibe aber am Ball.

 

 

 

 

 

 

05.10.

4. Runde

Das Match gegen Bayern war eine wahre Achterbahnfahrt. Kaum eine Partie endete so, wie sie zwischendurch mal den Anschein erweckte.

Kevin einigte sich mit seinem Gegner schnell auf Remis, das war schon mal ein guter Anfang.

Die Vorbereitung hatte insofern nicht an allen Brettern gezündet, als dass – für uns überraschend – beim Gegner Brett 1 aussetzte. Das ist bei den Teams, die mehr als acht Spieler gemeldet haben, eben immer ein bisschen Glückssache, ob man mit seinen Prognosen der gegnerischen Aufstellung richtig liegt.

Bei Bente war klar, dass sie gegen die Bayerische U12-Spielerin antreten würde. Aus einer guten Stellung mit einem Bauern mehr wurde zunächst eine schwierige, dann eine schlechtere, doch Bente kämpfte weiter, lehnte ein Remisgebot ihrer Gegnerin mutig ab und gewann am Ende tatsächlich noch. Eine wieder einmal ganz starke Leistung unserer Topscorerin, nunmehr 3,5 aus 4.

Leider verlor am Nebenbrett Max jedoch alsbald den Faden und die Partie, während Timo ein niemals gefährdetes Remis beisteuerte. Sören kämpfte sich eindrucksvoll ins Turnier und spielte eine starke Angriffspartie. Endlich der erste Punkt für ihn! Und damit auch die erstmalige Führung für die Bremen/Niedersachsen und eine realistische Chance auf einen Mannschaftspunkt oder mehr.

Bei Madita war eigentlich seit geraumer Zeit eine Niederlage zu befürchten, ehe der Gegner in Zeitnot die Qualität einbüßte. Das entstehende Endspiel schien eher vorteilhaft für Madita, die sich jedoch prompt revanchierte und einen Turm einstellte. 3:3.

Oliver stand mit Dame gegen Turm + Läufer eigentlich unverlierbar, dachten wir. Doch sein Gegner fand zu unserem Entsetzen noch ein hübsches Mattmotiv, was Oliver in ein hoffnungsloses Bauernendspiel zwang. Und Anais, die erneut die längste Partie spielte und deren Gegnerin bereits früh eine Figur geopfert hatte, konnte schließlich das Endspiel mit Springer gegen drei Bauern auch nicht mehr halten. Endstand somit 3:5, da schien an manchen Stellen etwas mehr drin gewesen…

 Schade, aber noch ist nicht aller Tage Abend, gleich nach dem Mittagessen (heute ist Freitag und somit Fischtag) geht es schon weiter.

5. Runde

Die Nachmittagsrunde bescherte uns mit Mecklenburg-Vorpommern einen Gegner, der mit bislang einem Mannschaftspunkt hinter uns rangiert. Das soll natürlich so bleiben, der Vorsprung im Idealfall gar ausgebaut werden.

Wissenswertes über Mecklenburg-Vorpommern

- Mecklenburg-Vorpommern hat nur acht Spieler mitgebracht und ist damit leichter vorzubereiten. Das macht das Team schon mal sympathisch.

Schließlich verfahren wir ebenso. Zugegeben, in einem früheren Gedankenexperiment hatten wir durchaus die Möglichkeit in Betracht gezogen, mit neun Spielern anzureisen. Doch bedingt durch ein paar kurzfristige Absagen Upgrades steht in unserem finalen Kader die Acht.

 

- Vorpommern liegt – aus unserer Blickrichtung – vor Hinterpommern, wo Emanuel Lasker geboren wurde. Der Deutsche Schachbund zelebriert in diesem Jahr den 150. Geburtstag des bislang einzigen deutschen Weltmeisters. Doch wer weiß, vielleicht ist unter den Teilnehmern hier in Würzburg ja der nächste…

 

Auf der Flagge Mecklenburg-Vorpommers, hier rechts im Bild, treffen sich ein Stier und ein Greif.

Auf der Flagge Bremens, hier links im Bild, treffen sich rote und weiße Streifen.

- Torgelow ist eine etwa 10.000 Einwohner zählende Kleinstadt mit einem starken ortsansässigen Schachverein. Zwei Spieler aus dem diesjährigen Team kommen vom SAV Torgelow. Wenn die zwei Spieler stellen, warum kommt das gesamte Bremen dann nur auf vier? (Davon zwei aus Delmenhorst und ein Spieler plus Betreuer aus Varrel)

 

- Mecklenburg-Vorpommern ist bekannt für seine zahlreichen Schlösser und Seen. Keine Pointe, wollte ich nur erwähnt haben.

 

- Mecklenburg-Vorpommern wurde meinen Recherchen zufolge noch nie Deutscher Ländermeister. Bremen auch nicht. Beides dürfte sich in diesem Jahr nicht ändern.

Werfen wir doch mal einen Blick auf unsere Freunde und Nachbarn aus Niedersachsen.

Das Team ist an Position 2 gesetzt und dementsprechend sehr ambitioniert. Gestartet mit zwei Siegen und einem Unentschieden, gab es heute das Spitzenspiel gegen die topgesetzten Hessen. Niedersachsen gewann und siegte im Anschluss auch noch gegen Schleswig-Holstein. Damit sind die Niedersachsen nun mit zwei Mannschaftspunkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten auf Titelkurs!

 

Zum Partieverlauf gegen Mecklenburg-Vorpommern:

Bente spielte mit Schwarz fehlerfrei; weil das auch auf ihre Gegnerin zutraf, konnte man an Brett 8 die erste Punkteteilung des Matches beobachten.

Bente ist mit 4 aus 5 unsere Topscorerin

Sören unterstrich seine Comeback-Qualitäten und siegte erneut, diesmal mit einem glänzenden Königsangriff. 2 aus 2 am Freitag, jetzt kommt er in Fahrt!

Auch Kevin ließ seinem Gegner mit einem kraftvoll vorgetragenen Mattangriff keine Chance. Doch trotz der frühen Führung mussten wir um den Mannschaftssieg zittern. Oliver stand sicherlich niemals schlechter und remisierte ungefährdet, doch bei Madita, Timo und Max drohten Niederlagen. Timo hatte sich bei seinem Opferangriff verkalkuliert und erhielt die ins Geschäft gesteckte Figur nie zurück.

Max erwischt leider ein wirklich schwarzes Turnier mit Weiß. 0 aus 3 nach der abermaligen Niederlage gegen eine 200 Punkte niedriger bewertete Spielerin. Trotz Eröffnungstrainingslager in den Sommerferien läuft es noch nicht so recht rund...

Doch Madita kämpfte sich nach Schwierigkeiten schon im frühen Partiestadium wieder zurück, erreichte sogar ein Turmendspiel mit Mehrbauern, das aber immer Remis war.

Somit stand es nach der Zeitkontrolle 3,5 : 3,5 und das gesamte Team fieberte mit Anais, die ein Turmendspiel mit vier gegen vier Bauern auf dem Brett hatte.

Ein Remisgebot ihres Gegners hatte sie bereits abgelehnt, nun demonstrierte sie ihre ganze Klasse im Endspiel, verbesserte erst den Turm, dann den König und konnte schließlich einen Bauern erobern, dann noch einen zweiten und der Mannschaftssieg war perfekt. Nach der zweiten Runde war Anais erneut im Turmendspiel erfolgreich und damit unsere heutige Matchwinnerin!

Anais machte den entscheidenden Punkt zum 4,5 : 3,5 über Mecklenburg-Vorpommern

Zur Belohnung gibt es morgen das starke Team aus Rheinland-Pfalz zum Frühstück. Und wir haben uns wieder in die Liveübertragugn zurückgekämpft, auch wenn diese bisher vielleicht nicht das beste Omen war.

Da die bisherigen Matchpläne à la „Pünktlich Aufstehen, Ordentlich Frühstücken, Haushoch Gewinnen“ bislang nur zu zwei Dritteln umgesetzt wurden, probieren wir morgen etwas Neues: Geben wir den Druck einfach mal an den Gegner. Rheinland-Pfalz ist in der oberen Hälfte gesetzt und müsste eigentlich mehr Punkte haben als wir. Die müssen was zeigen, wir gehen als Underdog ins Match. Im Idealfall als ausgeschlafener Underdog, also Gute Nacht allerseits!

06.10.

6. Runde

Rheinland-Pfalz, man muss ehrlich sein, war der erwartet starke Gegner. Der Underdog musste diesmal die Überlegenheit des, wie sagt man, größeren Hundes anerkennen und wehmütig den Schwanz einziehen.

Die immer wiederkehrende Musik zum Rundenauftakt bescherte uns am frühen das wohlige Gefühl des bereits bekannten, wenn auch leicht nervigen Ohrwurms. Im Zweifelsfall ist dieser natürlich um ein Vielfaches besser als der tinnitusähnliche Zustand, der sich während der gestrigen Runde einstellte, als jemand herauszufinden versuchte, was passiert, wenn man eine alarmgesicherte Tür öffnet. Das Resultat brannte sich eindrucksvoll in die Gehörgänge ein.

Der obligatorische Blick in den Turniersaal verliert ein wenig an Imposanz,

wenn jener in Wirklichkeit auf mehrere Säle aufgeteilt ist noch dazu von Säulen durchzogen ist.

 

Kevin entschied sich für die Vermeidung der gegnerischen Vorbereitung und spielte 1..a6. Das ist mit Sicherheit kein Verlustzug, zum sofortigen Ausgleich taugte er freilich auch nicht. Ebenso wie bei Oli, Sören und Max stand bei ihm am Ende die 0, so dass wir in den restlichen vier Partien schon auf eine sensationelle Entwicklung hoffen mussten. Immer gut stand Madita, die ihre optische Überlegenheit in der Zeitnotphase in den vollen Punkt ummünzte. Und natürlich war wieder einmal Verlass auf Bente, die erneut souverän gewann, obwohl diesmal die Gegnerin sogar die minimal höhere DWZ aufweisen konnte. Meinen Hinweis, sie sei im Endspiel mit Sicherheit stärker als ihre Kontrahentin, nahm sie sogleich zum Anlass, mir ihre Endspielkünste in der heutigen Partie sogleich zu demonstrieren.

Irgendwie gerät Anais immer an Gegnerinnen, die sich als überaus opferfreudig herauskristallisieren. Gleich mehrere Figuren steckte die Schwarzspielerin ins Geschäft, um einen auf den ersten Blick durchaus attraktiven Mattangriff heraufzubeschwören. Ob das immer vollkommen korrekt war, steht auf einem anderen Blatt, auf alle Fälle war eine Verteidigung extrem schwierig zu finden, selbst die Engine in der Liveübertragung änderte ihre Meinung, wer denn nun eigentlich besser stände, ein ums andere Mal. Insofern ist es nachvollziehbar, dass Anais nicht immer die besten Verteidigungszüge fand und sich lieber darauf besann, Material zurückzugeben. Leider stellte sich das Endspiel mit zwei Türmen gegen Dame und Bauer als verloren heraus.

Timo schließlich spielte eine – wieder einmal – grundsolide Partie und remisierte gegen seine etwa 150 Punkte stärkere Gegnerin ohne Mühe.

Das macht in der Summe ein 2,5 : 5,5. Da braucht man sich nicht groß zu ärgern, ein Mannschaftspunkt war gegen Rheinland-Pfalz an diesem Tag einfach nicht drin.

 

Unsere Hoffnungen ruhen nun auf der letzten Runde, in der wir uns im Duell mit der Reserve der Württemberger Schachjugend zwar nicht am Livebrett, dafür aber an unserem „Stammtisch“ Nummer 10 wiederfinden. Exakt dort wurden wir Zeuge der beiden bisherigen Mannschaftssiege. Eine Tradition, die wir fortzusetzen gedenken, schließlich heißt es ja so schön: „Dreimal ist Bremer Recht.“ Und niedersächsisches sicherlich auch...

Samstagnachmittag

Der freie Nachmittag bot abermals Gelegenheit, sich mit anderen Dingen als dem Schachspiel zu beschäftigen. Die Verbrüderung der beiden Schachjugenden wurde mit einer ausgiebigen Session diverser Kartenspiele vorangetrieben. Auch mein Hinweis, dass doch herrliches Wetter und die Luft draußen noch viel schöner sei, wurde mit dem sofortigen Öffnen des nächstbesten Fensters quittiert. Man beginnt also – nach fünf Tagen – so langsam auf mich zu hören. Sehr schön.

Meine angesetzte Wandertour auf den nahen Marienberg fand hingegen nur bescheidenen Anklang,

obwohl man von dort oben eine schöne Aussicht hat.

 

Ansonsten hat sich ja nach fünf Tagen auch eine gewisse Routine eingestellt. Abendessen, vorbereiten, schlafen gehen. Das Leben eines Schachtalents scheint monoton.

Da lebt es sich als Betreuer schon abwechslungsreicher. Der nämlich kann zumindest mal mit den Kollegen Kaffee trinken gehen, währenddessen die Liveübertragung verfolgen und über seine Schützlinge schimpfen. Oder irgendwelchen Quatsch für die Homepage schreiben. Je nach persönlichen Vorlieben.

Heute Abend stand dann noch eine Nachtwächterführung auf dem Programm.

In etwa 60 Minuten ließ sich allerhand über das Würzburger Nachtleben – vor ein paar Hundert Jahren – erfahren.

In der letzten Nacht besteht traditionell der Wunsch einiger Spieler, von der Meisterschaft zünftig Abschied zu nehmen und etwas länger aufzubleiben. Das ist auch völlig okay, ich würde mich sogar dazu hinreißen lassen zu sagen, niemand geht ins Bett, bevor nicht sein Koffer gepackt und der Zimmerboden, der bei der Ankunft irgendwie ganz anders aussah, aufgeräumt wurde. Und das, so habe ich erfahren müssen, kann dauern.

Ein Fest mit Kunsthandwerksverkauf und Weinausschank lud auch noch entlang der Alten Mainbrücke ein.

Wenn man Menschen mag, davon gab es hier jede Menge.

07.10.

Das Turnier endete mit einem Höhepunkt. Württemberg wurde mit 5:3 besiegt!

Wir können mal mit etwas Erfreulichem beginnen. In jeder Runde saßen wir zu Spielbeginn pünktlich und vollzählig am Brett. Das hat drei Vorteile. Erstens ist es dem Gegner gegenüber sportlich fair, pünktlich zu sein. Zweitens gibt es für die Verspäteten eine Zeitstrafe in Höhe von 15 Minuten, die nun wirklich die Chancen im weiteren Partieverlauf nicht gerade erhöht.

Und drittens bietet sich mir so die Gelegenheit, ein paar Bilder zu schießen. Eine Auswahl davon findet ihr ja im Rahmen dieses Textes.

Jedenfalls waren die Zimmer pünktlich in Ordnung gebracht und geräumt, so dass wir auch am letzten Tag noch ein Frühstück einnehmen konnten. Zur Feier des Tages gab es heute Eier.

Insgesamt gefielen mir die Mahlzeiten in der Jugendherberge ganz gut. Geschmacklich hatte ich absolut nichts auszusetzen. Da aber irgendjemand aus unserem Team immer eine extrem lange Partie spielte und wir deshalb lange warten mussten, ehe wir den Speisesaal aufsuchen konnten, war das Buffet manches Mal doch schon arg geräubert. Nachgelegt wurde nur in begrenztem Rahmen. Zudem hatte man den Eindruck, dass es jeden Tag eine Saftsorte weniger im Angebot gab. Und schließlich fand ich mich einmal ohne Gabel, zweimal ohne Messer, als ich gerade essen wollte.

Für die 2019 Nominierten deshalb schon mal der Hinweis: Bitte eigenes Besteck mitbringen.

Ach ja, und Badesachen. Es wurde zwar des öfteren „Schwimmen“ gespielt, das ist aber eine eher trockene Angelegenheit mit Karten. Nächstes Mal können wir gerne auch wieder schwimmen gehen.

 

Zum Matchverlauf:

Bente gewann zum fünften Mal und beendete das Turnier ungeschlagen mit 6 aus 7. Eine wahnsinnig starke Leistung, die wir beim besten Willen nicht erwartet hätten.

Auch Max siegte zum Abschluss nochmal. Das dürfte ihm gut tun, lief das Turnier nach gutem Start (2 aus 3) doch mit drei Niederlagen in Serie etwas in die falsche Richtung.

Durch die beiden Remisen von Madita und Sören sowie Niederlagen von Kevin und Oliver stand es alsbald 3:3. Da wir nicht in der Liveübertragung waren, wussten die Fans zu Hause nicht, was wir wussten; dass nämlich sowohl Timo als auch Anais eine vorteilhafte Stellung besaßen und ein Mannschaftssieg in greifbarer Nähe war. Timo versuchte sich zum wiederholten Male im Mattangriff und opferte dafür in Würzburg auch gerne einmal Material. Gewinnt er normalerweise doch eher im Endspiel, war das eine willkommene Veränderung seines Spielstils. Wer weiß, vielleicht ist diese Opferfreudigkeit auf meinen Einfluss zurückzuführen, mein eigenes Spiel ist ja in der Regel bei weitem nicht korrekt, aber stets angriffslustig.

Diesmal jedenfalls war Timos kalkuliertes Opfer korrekt und der Angriff unparierbar.

Und so oblag es einmal mehr Anais, sich zur Helden aufzuschwingen und den Mannschaftssieg sicherzustellen. Da sie im Endspiel einen Bauern mehr besaß, war im Prinzip überhaupt kein Risiko dabei und sie konnte gefahrlos versuchen, die Partie zu gewinnen. Mit einem gut getimten Bauernopfer generierte Anais schließlich einen Zugzwang und zwang ihre Kontrahentin zur sofortigen Aufgabe. Geschafft!

Ein letztes Mal Mittagessen, sich selbst und die anderen beglückwünschen, dem neuen Meister gratulieren, dann hieß es Abschied nehmen aus Würzburg und gen Norden aufbrechen.

Ein wahrhaft malerischer Anblick, den wir zurücklassen müssen.

Leider kann ich nicht gut malen, darum ein Foto.

Die Heimreise mit der Bahn verlief dann ohne Zwischenfälle, so dass wir pünktlich am Sonntagabend am Bremer Hauptbahnhof eintrafen und ein paar Familienwiedervereinigungen vornehmen konnten. Ganz im Stile des oben erwähnten Feiertages.

Fazit

Schaut man ganz nüchtern auf die Tabelle, finden wir uns auf dem 16. Rang wieder, der auch exakt unserer Setzlistenposition entspricht. Ich denke aber, dass 6:8 Mannschaftspunkte für ein Team, das im unteren Viertel gesetzt ist, eine hervorragende Punkteausbeute darstellen. Darauf dürfen wir stolz sein.

Ganz herzlich gratulieren dürfen wir dem neuen Deutschen Ländermeister Niedersachsen. Wir hätten es niemandem mehr gegönnt als euch, herzlichen Glückwunsch zum Titel!

Im Fazit lässt sich festhalten, dass wir zwar ein paar Schwierigkeiten im Vorfeld hatten, die Reise letztlich aber ein voller Erfolg war.

Die Harmonie im Team war vorbildlich, das war auf Grunde der Tatsache, dass es sich um eine Spielgemeinschaft handelt, durchaus nicht selbstverständlich. Ich denke, und das ist ja bei allem sportlichen Ehrgeiz nicht unwichtig, dass die Tage in Würzburg allen viel Spaß gemacht haben. Betreuer eingeschlossen.

Die Spieler haben es mir, der ich ja erstmals eine solche Reise organisiert habe, dabei auch sehr leicht gemacht. Das hat meine Tätigkeit als Trainer und Betreuer überaus angenehm erscheinen lassen.

Und sportlich lief es für die Mannschaft richtig gut, drei Siege gegen Teams, bei denen es im Vorfeld keineswegs selbstverständlich war, und teils knappe Niederlagen gegen die Favoriten; das verdient Respekt.

Bezüglich der Vorbereitung geht ein riesiger Dank an Jens Kahlenberg aus dem Bezirk 5, der zwei Spieler unseres Teams unter seine Fittiche genommen und zuverlässig vorbereitet hat. Das alles via Telefon von zu Hause aus, stelle ich mir keine leichte Aufgabe vor.

Ein weiteres Dankeschön gilt selbstverständlich der Niedersächsischen Schachjugend, die sofort bereit war, den Gedanken der Spielgemeinschaft zu unterstützen und uns bei der Spielerauswahl und den Kontaktaufnahmen unterstützt hat. Zwar hoffe ich, dass es in Zukunft nicht nötig sein wird, doch im Falle eines Falles kooperieren wir gerne wieder mit euch.

Und schließlich bleibt festzuhalten, dass die Bayerische Schachjugend als diesjährige Ausrichterin einen hervorragenden Job geleistet hat. Da der Vertrag über mehrere Jahre geschlossen ist und auch die DLM 2019 in Würzburg stattfinden wird, braucht uns nicht bange zu sein. Wir kommen nächstes Jahr gerne wieder. Vielleicht werden wir dann ja Meister.

 

Und das sind unsere Jungen und Mädchen

Zum Abschluss möchte ich noch einmal auf unser Team eingehen, schließlich sollten ja die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen.

Werfen wir also noch einmal einen Blick auf unsere Eleven, acht an der Zahl. Ich finde nämlich, wir können stolz auf sie sein, schließlich haben sie sich mehr als achtbar geschlagen.

Gewonnen haben sämtliche Spieler ja bereits durch ihre Nominierung. Die meisten Schachspieler nehmen in ihrem Leben niemals an einer Deutschen Meisterschaft teil. Und selbst von denen, die sich in diesem Jahr im Einzel qualifiziert haben, müssen einige bei der Mannschaftsmeisterschaft mit deren lediglich achtköpfigen Kader zu Hause bleiben.

 

Nicht jeder Turnierspieler kann immer und in jedem Wettbewerb eine Leistung zeigen, die den eigenen Erwartungen entspricht. Das dürfte in Würzburg nicht anders gewesen sein.

Betrachtet aber bitte die Tatsache, dass ihr dabei wart, als eine Bestätigung eurer außerordentlichen Leistungen in der Vergangenheit. Dafür habt ihr viel Zeit und Mühe investiert und die Teilnahme an der Deutschen Ländermeisterschaft ist euer Lohn genau dafür.

 

Kevin Silber mit 2,5 aus 7 gegen teils enorm starke Gegnerschaft ein solides Brett 1.

 

 

Wir dachten, irgendjemand muss sich an Brett 2 opfern, aber Oliver Steffens hielt mit 2 aus 7 gut mit. Schade, dass er einige aussichtsreiche Stellungen nicht verwerten konnte.

 

 

Sören Evering an Brett 3 mit verpatztem Start, aber starkem Finish! Am Ende 2,5 Punkte.

 

 

Madita Mönster an Brett 4 erzielte gar über 50% (4 aus 7) und gewinnt kräftig DWZ- und Elopunkte hinzu.

 

 

Timo Block an Brett 5 eine feste Säule, 3,5 Punkte für ihn und das gegen im Schnitt stärkere Gegner.

 

 

Anais Abele mit 3 aus 7. Dazu Matchwinnerin in Runde 5 gegen Mecklenburg-Vorpommern und in der Schlussrunde gegen Württemberg gleich nochmal.

 

 

Max Weidenhöfer ebenfalls mit 3 Punkten. In einer perfekten Welt wäre vielleicht noch mehr drin gewesen. Doch mit Weiß lief nicht viel zusammen.

 

 

Und Bente Zöllner, was soll man sagen, rechtfertigte ihr Nominierung mit dem sensationellen Score von 6 aus 7. Brettbeste an Brett 8. Und nur ein einziger der 170 Spieler im gesamten Turnier erzielte mehr Punkte als sie. Wahnsinn!

 

 

Damit verabschiede ich mich für dieses Jahr aus Würzburg und entschuldige mich gleichzeitig bei den Angehörigen der anderen Landesverbände, die hier vorbeigeschaut haben in der frohen Hoffnung, ein paar Takte über unser Eröffnungsrepertoire für ihre eigene Vorbereitung aufzuschnappen, und stattdessen elendig lange Passagen über Nebensächlichkeiten, die mit Schach doch eigentlich gar nichts zu tun haben und die auch nicht jeder lustig findet, über sich ergehen lassen mussten. So wie diese beispielsweise.

Bei meiner treuen Leserschaft bedanke ich mich von ganzem Herzen. Mir hat das Turnier viel Freude bereitet und ich fand es schön, ein paar Eindrücke mit den daheimgebliebenen Eltern, Vereinskameraden und allen am Jugendschach Interessierten teilen zu können.

Zum Zeitpunkt meines letzten Updates hat der Artikel bereits über 1.000 Klicks, das ist eine ganze Menge.

Falls sich jemand dafür interessiert, was denn auf Seiten der Bremer Schachjugend noch beliebter ist: Die meistgeklickte Seite trägt den schnöden Titel „Impressum“ mit über 10.000 Aufrufen. Dort findet aber meines Erachtens ein eher steriler, wenig geistreicher Schreibstil Anwendung, den ich so nicht beherrsche und auch zukünftig nicht anwenden möchte. Scheint aber ja bei der breiten Masse anzukommen…

 

Und damit auf ein Wiedersehen und Wiederlesen im nächsten Jahr in Würzburg.

 

 

 

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